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KREISGRABENANLAGEN

kreisgraben1KREISGRABEN HELDENBERG

So hat eine Kreisgrabenanlage vor 7.000 Jahren ausgesehen. Hier eine Rekonstruktion am Heldenberg, rund 40 Kilometer nord-westlich von Wien. Nördlich der Donau und auch entlang der Elbe wurden bisher rund 130 derartige Kultplätze geortet. Mit den modernsten Mitteln der Forschung konnten selbst Farben identifiziert werden - und Farben wurden auch als Schminke verwendet.

Man fand die Reste von Festessen, aber keine Hinweise auf Bestattungen.

Univ. Prof. Dr. Wolfgang Neubauer, 
Archäologe, Ludwig Boltzmann Institut


Wie die Religiösen Vorstellungen ausgesehen haben, oder was die generellen Ideen und Gedanken dahinter waren, das ist eine der großen Fragen, die auch gleichzeitig etwas was am schwersten zugänglich ist für uns als Archäologen, die doch hauptsächlich mit den materiellen Überresten dieser Kulturen arbeiten müssen.

 

Das Zeitalter der Kreisgrabenanlagen dauerte nur 350 Jahre. Dann wurden die Holzbauten zerstört und die Gräben zugeschüttet. Ohne Luftbilder und Bodenradar wüssten wir heute von diesen Bauten nicht das Geringste.

Wir sehen die Intention, dass man hier versucht auf ganz engen Stegen neben diesen tiefen Gräben das Innere zu erreichen, aber meistens so, dass man keinen direkten Sichtkontakt ins Zentrum hat, dass man also leicht seitlich vorbeigehen muss. Es gibt verschiedene Anlagen wo eindeutig Hinweise auf Annäherungshindernisse sind, das heißt das Aussperren von bestimmten Menschen die hier etwas beobachten wollten, ist definitiv erkennbar. 

Erkennbar ist auch ein Sinn für geometrisches Planen. Bei zweikreisigen Anlagen folgen die Durchmesser meist dem Verhältnis von 2:3 oder 3:4, in seltenen Fällen auch 1:2 - auf jeden Fall scheint in der Planung nichts zufällig gewesen zu sein.

Wir haben hier ein Wissen im Hintergrund das sich auch zeigt in der Ausrichtung dieser Kreisgrabenanlagen, in der Ausrichtung der Tore zu bestimmten Ereignissen im Laufe des Jahres, die uns zeigen dass diese Menschen mit ihrer Natur sehr eng im Zusammenhang gelebt haben, aber auch eine Verbindung hergestellt haben zwischen dem Himmel und der Erde.

GOSECK

21. Juni, beim sogenannten „Sonnenobservatorium" nahe der Kleinstadt Goseck, in Sachsen-Anhalt.

Was auf den ersten Blick wie ein Abenteuerspielplatz wirkt, ist eine naturgetreue 1:1 - Nachbildung, errichtet genau am Ort der Ausgrabungen. Drei Tore führen ins Innere des 6.000 Quadratmeter großen Geländes.

kreisgraben2 kreisgraben3

Der Holzpalisadenzaun wird von einem 1,50 Meter tiefen und 3,50 Meter breiten Graben und einem Erdwall umgeben. Ein Doppelring aus zweieinhalb Meter hohen Eichenpalisaden umgibt ein Areal von 75 Metern Durchmesser. Auch hier war die dazugehörige Wohnsiedlung in gewisser Entfernung errichtet. Sowohl die Sonnenwende im Winter, als auch der längste Tag im Sommer, sind durch Tore oder durch stärkere Pfosten in den Palisaden deutlich markiert.

WELTALL

Von Mitte September bis Ende April ist eine besondere Sternengruppe sichtbar: die Plejaden. Obwohl sie rund 400 Lichtjahre entfernt sind, gehören sie noch zu unserer Galaxis.

kreisgraben4

Diese Fakten kannte man vor 7.000 Jahren wohl noch nicht, aber das „Siebengestirn" war offenbar damals bereits sehr bedeutend.

 

DI Dr. Georg Zotti,
Informatiker & Astronom

 DI_Zotti

Ich habe gesehen, dass ungefähr ein Drittel der Kreisgrabenanlagen in Österreich ein Tor hat in die Richtung wo diese Pleyaden aufgehen und das hat mich eigentlich ziemlich umgeworfen und nicht nur das, es ist auf der anderen Seite, ziemlich genau gegenüber, aber nicht ganz genau gegenüber, jeweils bei diesen Anlagen wiederum ein Tor, dass ich wieder mit einem Stern in Verbindung bringen kann, nämlich mit dem Stern Antaris. Das ist der Hauptstern im Skorpion und die wirklich verblüffende Sache war, dass wenn der Antaris untergeht, also in dem einen Tor sichtbar ist, kommen wenige Augenblicke später, also wenige Minuten später aus dem anderen Tor die Pleyaden heraus.

Wie hat man hier, am Wiener Ludwig-Boltzmann Institut für Virtuelle Archäologie, die Reaktionen der wissenschaftlichen Kollegen eigentlich wahrgenommen?

 DI Dr. Georg Zotti:

Die Archäologen waren ausgesprochen skeptisch. Die haben gesagt: „Da wird zu viel herumphantasiert" und „Das ist alles sehr unglaubwürdig" und sie wollten da mal ein klares Bild haben. Ich hab diese Sache mir mal angeschaut, hab alle möglichen Dinge von den Archäologen noch gebraucht, nicht nur die Pläne, nicht nur die Vermessungspläne der Kreisgrabenanlagen, sondern ich habe darauf bestanden, ich muss wissen wie der Horizont ausschaut. Da drin hab ich doch sehr deutliche Hinweise gefunden, dass Astronomie drinsteckt. Einige Tore sind sehr gut astronomisch erklärbar, andere Tore überhaupt nicht.

weiterführende Links

vias-geo.univie.ac.at

 

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